Kryptowährungen


Blockchain – Mehr als nur Kryptowährungen?

Momentan ist Blockchain das Trendwort schlechthin. Der Technologie hinter Bitcoin und Co. wird grosses Zukunftspotenzial vorausgesagt. Ähnlich wie das Internet vor gut 25 Jahren soll jetzt Blockchain die Art und Weise revolutionieren, wie wir in Zukunft Geschäfte tätigen. Unternehmen können damit ihre Wertschöpfungskette transparenter gestalten und die klassischen Mittlerfunktionen wie diejenigen der Banken oder Versicherungen sollen gänzlich verschwinden.

 

Doch was ist dran an diesen Behauptungen? Halten diese einem Faktencheck stand? Und wie hängt Blockchain mit Kryptowährungen zusammen? Diese und noch mehr Fragen werden in folgenden Zeilen beantwortet.

 

Was haben Kryptowährungen mit Blockchain zu tun?

Blockchain erlebte seine Geburtsstunde im Jahr 2009, als Bitcoin das Licht der Welt erblickte. Bitcoin ist eine digitale Währung, welche sich in den vergangenen 10 Jahren mehr und mehr ins kollektive Bewusstsein gedrängt hat. Zu Beginn nutzten nur einige wenige Technik-Freaks die Währung. Doch aufgrund der revolutionären und libertären Vision der dezentralen Währung fanden sich immer mehr Anhänger. Und spätestens seit dem extremen Kursanstieg im Jahr 2017 (oder dem darauffolgenden Absturz im Jahr 2018) kennen die meisten Personen Begriffe wie «Kryptowährungen» oder «Blockchain».

Bitcoin war dabei mitnichten die erste digitale Währung. Erste Konzepte gibt es bereits seit den 80er-Jahren. Erstmalig wurden jedoch die technologischen Herausforderungen einer digitalen Währung auf neuartige, völlig dezentrale Weise gelöst. Der Name dieser neuen technologischen Lösung: Blockchain.

Um die Technologie Blockchain zu verstehen, muss man sich erst vor Augen führen, welche drei Haupt-Herausforderungen bei digitalem Geld gelöst werden müssen.

1.       Es dürfen nur berechtigte Personen über das digitale Geld verfügen.

2.       Es darf höchstens derjenige Betrag ausgeben werden, welcher verfügbar ist.

3.       Das digitale Geld darf nicht doppelt ausgegeben werden.

Bis jetzt wurden diese drei Herausforderungen durch den Einsatz einer zentralen Kontrollinstanz wie einer Bank gelöst. Diese stellt beispielsweise beim E-Banking durch die Zugangsdaten (Benutzername, Passwort, 2-Faktor-Authentifizierung) sicher, dass niemand ausser der berechtigten Person auf das Geld zugreifen kann. Darüber hinaus führen sie die Zahlung nur dann aus, wenn genügend Geld auf dem Konto verfügbar ist (wir nehmen mal an, die Bank vergibt keine Limiten). Eine doppelte Ausgabe von Geld ist ebenfalls nicht möglich, da die Bank das Transaktionsregister führt. Ein Kunde hat demnach keine Möglichkeit, seine alte Zahlung zu löschen und das Geld erneut auszugeben.

 

Wie löst Blockchain diese drei Herausforderungen?

Zur Lösung der ersten Herausforderungen kommen bei Blockchain sogenannte digitale Signaturen zum Einsatz. Diese beruhen auf Verschlüsselungstechnologien und stellen sicher, dass nur berechtigte Personen auf das digitale Geld zugreifen können.

Die zweite Herausforderung wird gelöst, indem alle Transaktionen öffentlich einsehbar sind. Denn sobald eine Partei sämtliche Transaktionen kennt, dann weiss sie auch, wie viel Geld die andere Partei überhaupt ausgeben kann.

Am schwierigsten gestaltete sich die Lösung der dritten Herausforderung. Blockchain löst diese durch die Einführung einer völlig neuen Datenbankstruktur. Dabei werden einzelne Datenblöcke so miteinander verknüpft, dass alte Daten nach einer gewissen Zeit praktisch nicht mehr verändert werden können. Ein böswilliger Angreifer kann also seine alte Transaktion nicht einfach löschen und das digitale Geld erneut ausgeben.

 

Welche Probleme löst Blockchain?

Wie anhand von digitalen Währungen gezeigt wurde, ermöglicht es Blockchain, digitale Wertgegenstände ohne Mittelsmann zu übertragen. Während also das Internet die globale Übertragung von «Informationen» ermöglicht, erlaubt Blockchain die globale Übertragung von «Wert».

Darüber hinaus ermöglichen weitergehende Anwendungen einer Blockchain wie z.B. Smart Contracts, Vertrauen zwischen unterschiedlichen Parteien herzustellen. Aufgrund der dezentralen Architektur von Blockchain kann keine der involvierten Parteien Einfluss auf einmal definierte Prozessabläufe nehmen und muss sich den Regeln des Netzwerks fügen.

 

Welche Herausforderungen muss Blockchain noch lösen?

Eine neue Technologie hat nie nur Vorteile – das ist auch bei Blockchain nicht anders. Heutige Blockchains sind langsam. Während beispielsweise VISA zehntausende Transaktionen pro Sekunde verarbeiten kann, sind es bei der Bitcoin Blockchain knapp zehn. Zudem spricht die ganze Welt von Energieeffizienz, während die Bitcoin Blockchain in etwa gleich viel Strom verbraucht wie die ganze Schweiz.

Das sind definitiv Herausforderungen, welche es zu lösen gilt. Dementsprechend arbeiten viele clevere Köpfe fieberhaft an unterschiedlichsten Lösungsansätzen für diese Herausforderungen. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass man sich in Erinnerung ruft, dass Blockchain nach wie vor eine sehr junge Technologie ist. Und junge Technologien sind zu Beginn selten effizient. Erst durch deren kontinuierliche Weiterentwicklung kann das volle Potenzial abgerufen werden.

Die ersten Autos beispielsweise waren störungsanfälliger als ihre von Pferden gezogenen «Konkurrenten». Darüber hinaus benötigten sie bis zu 40 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer (bei 10-20 Pferdestärken) und waren kaum schneller. Erst durch die laufenden technologischen Fortschritte sowie durch den Ausbau einer auf Autos ausgelegten Infrastruktur (geteerte Strassen) konnte das Auto seinen Siegeszug antreten. Ähnliche Muster sieht man bei fast allen neuen Technologien.

 

Wofür kann Blockchain verwendet werden?

Die oben erwähnten Vorzüge einer Blockchain blieben natürlich auch den Vorreiterunternehmen unterschiedlichster Branchen nicht verborgen. Industrieunternehmen sehen in Blockchain eine Möglichkeit, ihre Wertschöpfungskette zu überwachen und transparenter zu gestalten. Regierungen forschen an Blockchain-Lösungen im Zusammenhang mit E-Voting, digitalen Identitäten oder Grundbuchämtern. Und die Finanzindustrie glaubt, dass die Technologie den Zahlungsverkehr, die Wertschriftenabwicklung oder die Digitalisierung von Gütern und Dienstleistungen vorantreiben wird.

Wie immer in jungen Jahren einer neuartigen Technologie sehen viele Enthusiasten die Welt durch die rosarote Brille. Sie wittern übertriebene Zukunftschancen in praktisch allen Branchen und prophezeien Blockchain-Ignoranten den Untergang mit wehenden Fahnen, wenn sie sich länger vor der Technologie verschliessen. Auf der anderen Seite sind sich die Skeptiker sicher, dass die Technologie ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird, wie sie aufgetaucht ist. Am Ende werden beide falsch liegen.

Denn obschon der aktuelle Hype übertrieben ist, wird die Technologie die nächsten Jahre definitiv stark prägen. Es wird wie bei allen technologischen Umwälzungen Branchen geben, welche früher als andere davon betroffen sein werden. Ebenso wird Blockchain nicht alle Branchen gleich stark betreffen. Doch in irgendeiner Form wird es die Zukunft praktisch aller Marktteilnehmer beeinflussen.

Zuerst betroffen sind Prozesse, bei welchen entweder viele unterschiedliche Akteure involviert sind oder hohe Margen für Mittlerfunktionen eingestrichen werden. Beispiele für solche Prozesse gibt es in sämtlichen Industrien. Als Unternehmen tut man deswegen gut daran, sich bereits in der aktuellen Phase mit der Thematik zu beschäftigen. Denn nur so stellt man sicher, dass man in der kommenden Reifephase der Technologie Blockchain für konkrete Anwendungen bereit ist.

 

Hier der Link zum Autor: https://menova.ch/ (4.2.2019)

 

 

Lesen Sie auch unseren Blogartikel von Mónika Molnár vom 15. Januar 2018. 

Hier das PDF vom Artikel über das Thema "Kryptowährungen - Bitcoin - Blockchain" in der 2. Ausgabe RuC 2017.

Hier das PDF vom Artikel über das Thema "Besteuerung und Bilanzierung von Bitcoin" in der 4. Ausgabe RuC 2017.